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Über die konferenz

NORMATIVITY AND PRAXIS: Die Rolle der Religion in Kants politischer Philosophie und Ethik, 14-16.05.2025

Für Kant bildet Religionsphilosophie ein Thema von herausragender Bedeutung. Er behandelt es besonders in der Schrift Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft (1793) ganz im Geist der Aufklärung: Kant spricht sich darin vehement gegen alle Formen von spekulativem Überschwang, Aberglaube, spiritueller Schwärmerei und offenbarungsbasiertem Dogmatismus aus. Stattdessen versucht Kant, die Religion auf das zu beschränken, was sich mit den Mitteln der Vernunft verteidigen lässt. Kant ist der Auffassung, dass religiöse Regeln und geoffenbarte Gebote nur so weit philosophisch akzeptabel sind, wie sie sich mit den Forderungen der Vernunft und der Moralität zur Deckung bringen lassen. Für Wunderglaube ist beispielsweise kein Platz (RGV VI.84–89). Da stellt sich sofort die Frage: Sind philosophische Bestrebungen, Religionen radikal zu rationalisieren und über alle Differenzen hinweg auf einen vernünftigen moralischen Grundbestand zu reduzieren, selbst vernünftig?

Die Konferenz wird eine Reihe von wissenschaftlichen Zielen verfolgen. Diese Ziele sind in erster Linie (1) die Untersuchung von Kants Religionsverständnis (d.h. auch die Bedeutung der Unterscheidung zwischen „einer gottesdienstlichen Religion“ und „einer rein moralischen Religion“ sowie der Unterscheidung zwischen „Kirchenglauben“ und „Religionsglauben“). Für diese Untersuchung ist auch das Problem (2) des Zusammenhangs von Religionsphilosophie und Geschichtsphilosophie in Kants Philosophie von Bedeutung (denn durch die Verbindung dieser Problematiken wird es möglich, die menschliche Geschichte als einen Prozess zu begreifen, in dem wir es mit Fortschritt zu tun haben).  In der bisherigen Rezeption der kantischen Religionsphilosophie ist (3) die Frage nach der politischen Bedeutung der Religion, wie sie in Kants Schriften zum Ausdruck kommt (z.B. seine Auffassung, dass „Religion ein höchst wichtiges Staatsbedürfnis“ [AA VII, 11] sei), zu wenig beachtet worden. Ein wichtiges wissenschaftliches Thema, das auf der geplanten Tagung behandelt werden soll, ist auch (4) die Habermas'sche Sicht des Verhältnisses von Glaube und Vernunft, die heute viel diskutiert wird. Ebenso wenig wird man (5) die scheinbar paradoxen Aussagen Kants übersehen können, der einerseits sagt: „Die Moral [...] bedarf weder der Idee eines anderen Wesens über ihm [dem Menschen], um seine Pflicht zu erkennen, noch einer anderen Triebfeder als des Gesetzes selbst, um sie zu befolgen“ (VI, 3); andererseits sagt er: „Die Moral [...] führt unumgänglich zur Religion“ (AA VI, 6). Man wird auch nicht umhin können, (6) die äußerst schwierigen Fragen nach dem philosophischen Wert von Kants Analysen des Judentums in der Religionsschrift sowie die Fragen nach den Interpretationen von Kants Ansichten selbst zu stellen und zuverlässig zu beantworten.

Wie stellen wir uns heute zu Kant‘s Position – zumal mit Blick auf die Diskussion über Religion im öffentlichen Raum? Da in modernen westlichen Gesellschaften eine Mehrzahl von miteinander inkompatiblen, aber um der Konfliktfreiheit willen privatisierten Religionen existiert, gilt für liberale Staaten ein Neutralitätsgebot. Aber bis zu welchem Punkt soll das staatliche Neutralitätsgebot genau reichen? Muss sich der Staat lediglich vor einer einseitigen Parteinahme hüten, oder muss er darüber hinaus in einem aktiven Sinn laizistisch sein (wie man dies aus Frankreich kennt)? Was ist Kants Lösung, und was können wir unter Gegenwartsbedingungen als akzeptabel ansehen?

Die Beantwortung dieser Fragen ist sowohl im Hinblick auf eine allgemeine Reflexion über die Kohärenz oder Relevanz von Kants aufklärerischer Haltung zur Religion von Bedeutung als auch für die Frage, wie wir heute zur Religion stehen und wie wir ihren Platz in der Öffentlichkeit sehen.

Program

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Keynote speakers

  • Paul Guyer - Jonathan Nelson Professor emeritus of Humanities and Philosophy, Brown University.
  • Christoph Horn -  Professor and Director of Practical Philosophy and Ancient Philosophy at the University of Bonn.
  • Heiner F. Klemme - Professor of Philosophy at Martin Luther University Halle-Wittenberg.
Funduszepleu
Projekt Multiportalu UŁ współfinansowany z funduszy Unii Europejskiej w ramach konkursu NCBR