In seiner genealogischen Analyse des postmetaphysischen Denkens zeigt Jürgen Habermas, wie bestimmte wesentliche Eigenschaften unserer heutigen Weltanschauung und unseres Verständnisses der menschlichen Existenz ihre tiefen Wurzeln in der Religion haben. Insbesondere geht es dabei um unser Denken über die Grundlagen der Normativität, also jene verbindliche Kraft, die uns dazu bringt, Normen und Rechtsvorschriften zu befolgen, obwohl unser Denken und unsere Weltanschauung säkularisiert sind. Solange Normen ihre verbindliche Kraft aus dem Sakralen bezogen, war ihre Befolgung selbstverständlich. Mit der Säkularisierung des Denkens gewinnt die Frage nach dieser Quelle der verbindlichen Kraft an besonderer Bedeutung.
Im Zusammenhang mit der vom Verlag der Universität Łódź vorbereiteten polnischen Übersetzung von Jürgen Habermas' Werk „Auch eine Geschichte der Philosophie” organisieren der Lehrstuhl für Ethik und Ästhetik am Institut für Philosophie der Universität Łódź und die Łódź-Abteilung der Polnischen Akademie der Wissenschaften vom 12. bis 14. November 2026 eine internationale Konferenz mit dem Titel „The Genealogy of Post-Metaphysical Thinking: The Question of the Foundations of Normativity in Light of Jürgen Habermas's Work Also a History of Philosophy”. (Die Genealogie des postmetaphysischen Denkens: Die Frage nach den Grundlagen der Normativität im Lichte von Jürgen Habermas' Werk „Auch eine Geschichte der Philosophie”). Zu den eingeladenen Hauptrednern gehören renommierte Kenner des Habermas'schen Denkens und Kommentatoren des oben genannten Werkes.
Gegenstand der Überlegungen und Analysen im Rahmen der Konferenz soll die Frage nach den Grundlagen des verbindlichen Charakters von Normen in einer säkularisierten Welt sein. In den Fokus unseres Interesses soll auch der von Jürgen Habermas rekonstruierte Weg rücken, den das europäische philosophische Denken – zusammen mit den folgenden historischen Veränderungen der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Realität – zur Entwicklung der Fähigkeit zurückgelegt hat, rein rationalen Argumentationen und auf Basis dieser Argumentationen begründeten abstrakten Normen zu folgen. Letztere erheben zu Recht einen universellen Gültigkeitsanspruch. Ein weiterer wichtiger Punkt wäre die Frage der Verteidigung und Interpretation dieses Anspruchs auf universelle Gültigkeit. Gegen diesen Anspruch wäre es unbegründet, Vorwürfe des Eurozentrismus und des kulturellen „Imperialismus” zu erheben.
Wir laden Sie herzlich ein, an der Konferenz teilzunehmen und Beiträge einzureichen, die sich mit einem der in Habermas' Werk besonders wichtigen und in der obigen Beschreibung genannten Themen befassen.
Universität Łódź, Abteilung für Ethik und Ästhetik, Institut für Philosophie